Die Königin ist tot, lang lebe die Königin!

Hennigsdorf, 9. Juli 2025Die Honigsaison ist kurz. Mit dem Ende der Lindenblüte ist für die meisten Imker auch die Honigernte vorbei. „Es war eine gute Saison“, resümiert Thomas Kunert. Heute konnte er von den HWB-Bienen in der Berliner Straße noch einmal vier gut gefüllte Honigbeuten abholen.

In der Regel bleiben die Bienen ruhig, wenn Thomas Kunert an den Beuten arbeitet und er kann auf Schutzkleidung verzichten. Heute hatte er aber vorsichtshalber einen Bienenschleier und Handschuhe angelegt. Denn schon bei seinen letzten Kontrollen musste er schmerzlich erfahren, dass sich eines der HWB-Bienenvölker ungewöhnlich angriffslustig zeigt. „Kommt man den Bienen zu nahe, werden sie schnell unleidlich“, erzählt Thomas Kunert. Um das zu ändern, gibt es nur eine Möglichkeit: Eine neue Königin muss her. Denn alle Arbeiterinnen in einem Bienenvolk besitzen die Gene ihrer einen Mutter. Auch wenn die andere Hälfte der genetischen Ausstattung von diversen Drohnen stammt, bestimmen die Gene der Königin weitgehend das Verhalten ihres Volkes.

Schon vor drei Wochen hatte Thomas Kunert die Königin des aggressiven Volkes in einem speziellen Käfig separiert. Heute wird sie gegen eine neue Regentin ausgetauscht. Diese hat Thomas Kunert aus einer Larve aus dem Bieneninstitut Hohen Neuendorf gezogen. Ihren Hochzeitsflug hat die Prinzessin bereits erfolgreich absolviert und ihre Spermathek sollte für ein hoffentlich langes Königinnenleben gut gefüllt sein. Bereit zum Eierlegen wartet sie jetzt mit einigen Begleitbienen in einer kleinen gelben Box auf die Thronbesteigung. Vorsichtig hängt Thomas Kunert die Box in den Brutraum. Ihr Ausgang ist mit süßem Futterteig verschlossen. Dort müssen sich die Bienen erst einmal durchfressen, um ihre neue Chefin zu befreien. Das braucht etwas Zeit. Bis es soweit ist, hat der Geruch der neuen Königin sich in der ganzen Beute verbreitet und das Volk hat sich an seine neue Regentin gewöhnt. Die Königin ist tot, lang lebe die Königin.

In einigen Wochen, wenn die Nachkommen der neuen Königin in der Überzahl sind, wird das Volk hoffentlich nicht mehr so schnell auf hundertachtzig sein.

Von der Wabe ins Glas

Hennigsdorf, 18. Juni 2025.Die HWB-Bienen waren in den letzten Wochen offensichtlich viel unterwegs. Viele Waben sind gut gefüllt – die zweite Ernte der Saison kann sich sehen lassen.

Für die Weiterverarbeitung des Honigs hat Imker Thomas Kunert heute Unterstützung von der HWB. Bevor der Honig geschleudert werden kann, müssen zunächst die Wachskappen entfernt werden, mit denen die Bienen die gefüllten Waben verschlossen haben. Mit sogenannten Entdeckelungsgabeln heben die HWB-Helfer die Wachskappen vorsichtig ab. Das ist eine recht zeitintensive und klebrige Angelegenheit.

Nach einer guten halben Stunde sind die ersten 20 Rahmen entdeckelt und Thomas Kunert kann die Schleuder starten. Langsam erhöht er die Drehzahl. Nach kurzer Zeit quillt golden schimmernder Honig aus dem Auslaufhahn am Boden der Schleuder in die bereitstehende Filterkanne. In dieser wird der Honig von Wachsresten befreit. Bevor Nadine Karolczak eine Probe zur Verkostung aus der Kanne abzapft, überprüft Thomas Kunert noch den Wassergehalt des Honigs. „Dieser darf maximal 20 Prozent betragen“, erklärt er. „Das ist wichtig für die Lagerfähigkeit des Honigs.“ Ein Blick ins Refraktometer verrät: alles im grünen Bereich.

Bei der anschließenden Verkostung herrscht Einigkeit: Der HWB-Honig ist süß und lecker.

Zuletzt wird noch der bereits abgefüllte Honig der ersten Ernte etikettiert und das Mindesthaltbarkeitsdatum aufgestempelt, so wie es die Honigverordnung verlangt.

Volle Waben

Imker Thomas Kunert und HWB-Geschäftsführer Holger Schaffranke ernten den ersten HWB-Honig der Saison

Hennigsdorf, 21. Mai 2025. Vorsichtig hebt Imker Thomas Kunert die beiden Honigräume der Bienenbeute mit einer Kofferwaage an: Das Bienenvolk war in den Wochen nach seinem Umzug recht fleißig, verrät das Display der Waage. Etwa 16 Kilogramm Honig stecken in den Waben. Thomas Kunert und HWB-Geschäftsführer Holger Schaffranke sind mit der ersten Ernte der Saison zufrieden.

„Um im Frühjahr Honig ernten zu können, müssen verschiedene Parameter stimmen“, erklärt Thomas Kunert. „Ist es zu kalt und zu trocken, produzieren viele Trachtpflanzen kaum Nektar, den die Bienen sammeln können.“ Aber auch zu viel Regen und starke Güsse können sich negativ auf den Honigertrag auswirken. Ein heftiger Regenschauer reicht, um den Nektar aus den gerade in voller Pracht stehenden Robinienblüten auszuspülen und so den Ertrag dieses besonders leckeren Honigs zu verringern. Vorhersagen zur Honigernte sind ähnlich schwierig wie die Wettervorhersage, meint Thomas Kunert.

Die HWB-Bienen sind umgezogen

Imker Thomas Kunert hat die Bienenvölker der HWB umlogiert

Hennigsdorf, 4. April 2025. Die Bienen der HWB sind umgezogen und liefern hoffentlich auch in diesem Jahr wieder süßen Brotaufstrich.

Nach dem leider viel zu frühen Tod des Imkers Werner Schachschneider werden die beiden Bienenvölker der HWB nun von Thomas Kunert betreut. „Bei dem Vorsitzenden des Hennigsdorfer Imkervereins sind unsere Bienen in besten und sehr erfahrenen Händen“, freut sich HWB-Geschäftsführer Holger Schaffranke und hofft, dass es zum HWB-Jubiläum im Dezember das eine oder andere Glas Honig zu verschenken gibt.

Nachdem die Bienen aus ihrem Winterquartier wieder auf dem Hof des Seniorenwohnhauses Berliner Straße angekommen sind, werden die beiden Völker in neue Beuten umquartiert – oder wie die Imker sagen: umlogiert.

Wie für den Menschen ist ein Umzug auch für ein ganzes Bienenvolk – samt Königin und Brut in den Waben – mit Stress verbunden. Thomas Kunert versucht möglichst wenig Aufruhe unter den Bienen zu verbreiten. Routiniert und behutsam löst er mit einem Stockmeißel Rähmchen für Rähmchen aus den Beuten, ein kurzer Kontrollblick auf Waben und Bienen, dann werden sie in die bereitstehenden neuen Zargen gesetzt. Nur ein paar Bienen fühlen sich von dem Umzugsunternehmen hörbar gestört. „Am Summen erkennt man eine verteidigungsbereite Biene“, erklärt Thomas Kunert, der nur seinen Kopf mit einem typischen Imkerhut mit Schleier vor Attacken schützt, Handschuhe trägt er keine. Nach einer halben Stunde sind beide Völker umquartiert und die meisten Bienen haben sich auch schon wieder beruhigt und machen sich mit ihrem neuen Heim – vor allem mit dem Einflugloch – vertraut.

Wenn alles planmäßig läuft und sich die Völker gut entwickeln, kann im Mai der erste Honig geerntet werden.