Cohnsches Viertel

Mehr als eine Name

Mit der Machtübernahme Hitlers im Januar 1933 begann in Deutschland die systematische Ausgrenzung, Diskriminierung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung, die in der Ermordung von fast sechs Millionen europäischen Juden ihren schrecklichen Höhepunkt fand. Unter den Opfern der nationalsozialistischen Repressionen und des Völkermordes waren auch Angehörige der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mit Hennigsdorf verbundenen Familie des jüdischen Zeitungsverlegers Emil Cohn. Seine Kinder und Erben mussten im April 1938 unter dem Druck der Arisierungspolitik des NS-Regimes jenes Hennigsdorfer Baugrundstück verkaufen, auf dem das heutige Cohnsche Viertel entstanden ist. Im März 1943 deportierten die Nazis die vier noch lebenden, mittlerweile betagten Kinder Emil Cohns sowie deren Ehepartner aus Berlin in das Ghetto Theresienstadt. Einzig die älteste Tochter, Bianca Israel, überlebte den Holocaust. Der Name Cohnsches Viertel erinnert an das Schicksal der Familie Cohn und das millionenfache jüdische Leid während der Zeit des Nationalsozialismus.

Familie Cohn vor ihrem Sommerdomizil Schloss Nieder Neuendorf. Von links nach rechts: Martin (1872 – 1933), Mutter Leonore Cohn (1841 – 1909), Fritz (1875 – 1943, Ghetto Theresienstadt), Antonie (1873 – 1944, Ghetto Theresienstadt), Vater Emil Cohn (1832 – 1905), Bianca (1870 – 1963), Else (1878 – 1945, KZ Auschwitz-Birkenau).

Familie Cohn vor ihrem Sommerdomizil Schloss Nieder Neuendorf. Von links nach rechts: Martin (1872 – 1933), Mutter Leonore Cohn (1841 – 1909), Fritz (1875 – 1943, Ghetto Theresienstadt), Antonie (1873 – 1944, Ghetto Theresienstadt), Vater Emil Cohn (1832 – 1905), Bianca (1870 – 1963), Else (1878 – 1945, KZ Auschwitz-Birkenau).

David und Goliath. Zur Erinnerung an die Familie Cohn hat die Bildhauerin Marguerite Blume-Cárdenas das biblische Motiv vom Kampf ungleicher Kontrahenten aus Sandstein gehauen. Die Skulptur wurde im Sommer 2005 anlässlich der Einweihung von Quartier D im Zentrum des Cohnschen Viertels enthüllt.

David und Goliath. Zur Erinnerung an die Familie Cohn hat die Bildhauerin Marguerite Blume-Cárdenas das biblische Motiv vom Kampf ungleicher Kontrahenten aus Sandstein gehauen. Die Skulptur wurde im Sommer 2005 anlässlich der Einweihung von Quartier D im Zentrum des Cohnschen Viertels enthüllt.

David und Goliath. Zur Erinnerung an die Familie Cohn hat die Bildhauerin Marguerite Blume-Cárdenas das biblische Motiv vom Kampf ungleicher Kontrahenten aus Sandstein gehauen. Die Skulptur wurde im Sommer 2005 anlässlich der Einweihung von Quartier D im Zentrum des Cohnschen Viertels enthüllt.

Die Entwicklung des Cohnschen Viertels

1885 Zeitungsverleger Emil Cohn erwirbt Schloss und Gut Nieder Neuendorf und dazugehörige Ländereien in der Gemarkung Hennigsdorf. Die wohlhabende Berliner Familie nutzte das Schloss an der Havel bis zum Verkauf 1922 vor allem als Sommersitz.

1932 Die Erben Emil Cohns als Grundstückseigentümer und die Gemeinde Hennigsdorf unterzeichnen einen Vertrag, der die Erschließung und Parzellierung des Areals zwischen Fontanestraße, Fasanenstraße, Waldpark und Forststraße für die Bebauung mit Einfamilienhäusern regelt.

1938 Unter dem Druck der Arisierungspolitik des NS-Regimes verkauft Familie Cohn das Grundstück an die Gemeinnützige Wohnungsbau A.G. Groß-Berlin (GEWOBAG).

1939 – 1944 Von den ursprünglich geplanten 1000 Wohnungen – vor allem für Rüstungsarbeiter der Hennigsdorfer AEG-Werke – stellt die GEWOBAG knapp 500 fertig. Die sogenannten „Volkswohnungen“ hatten in der Regel ein oder zwei Zimmer und eine Wohnfläche von maximal 40 Quadratmetern.

1946 Enteignung der GEWOBAG durch die Sowjetische Militäradministration (SMAD).

1951 – 1958 Der ursprüngliche Siedlungsplan der GEWOBAG wird in modifizierter Form fortgeführt. Mehr als 600 Wohnungen werden gebaut. Ein in den 1950er-Jahren geplanter Kindergarten und weitere Einrichtungen der sozialen Infrastruktur werden jedoch nicht realisiert.

1960er-Jahre Weitere fünf Wohnblöcke mit rund 100 Wohnungen entstehen sowie zahlreiche Garagen und Kleingärten auf den Höfen.

1990 – 2000 Die kommunale Hennigsdorfer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) erwirbt aus der Insolvenzmasse des Stahlwerkes einen großen Teil des Wohnungs­bestandes. Klärung von Restitutionsansprüchen und Eigentumsfragen. 317 Wohnungen werden an die Erbengemeinschaft Cohn rückübertragen. Die HWB etabliert für das Wohngebiet den Namen Cohnsches Viertel.

1999 Die Stadt erklärt das Cohnsche Viertel zum Erhaltungsgebiet.

2000 – 2005 Revitalisierung und Nachverdichtung. Die HWB modernisiert ihren gesamten Bestand und errichtet zusätzlich insgesamt 86 senioren- und familienfreundliche Wohnungen sowie zwölf Reihenhäuser. Um den Einsatz klimaschädlicher Brennstoffe bei der Wärmeversorgung des Quartiers zu reduzieren, installiert die HWB in Kooperation mit den Hennigsdorfer Stadtwerken auf fünf Gebäudedächern eine solarthermische Anlage mit einer Kollektorfläche von insgesamt gut 850 Quadratmetern.

2001 Für die Modernisierung ihres Wohnungsbestandes im Cohnschen Viertel und den Neubau des Solarhauses wird der HWB und dem Architekturbüro Schwarz +  Kuntze + Partner GmbH der Brandenburgische Bauherrenpreis 2001 verliehen.

2010 Der Verband der Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) verleiht dem Quartier D das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – Fit für die Zukunft“.

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