Nachbarschaft gestalten

Stärkung des nachbarschaftlichen Zusammenlebens, Aufwertung des Wohnumfeldes und Wohnungsneubau – HWB und Stadt wollen das Albert-Schweitzer-Quartier zu einem attraktiven Wohngebiet entwickeln

Das Albert-Schweitzer-Quartier mit seiner ethnisch und sozial bunt gemischten Bewohnerschaft stellt die HWB und die Stadt regelmäßig vor Herausforderungen und Probleme, die in anderen Wohngebieten selten oder gar nicht auftreten.

Obwohl viele Bewohner angeben, sich im Albert-Schweitzer-Quartier grundsätzlich wohl und sicher zu fühlen, ist die Identifikation der Bewohnerschaft mit ihrem Quartier nur gering ausgeprägt. Regelmäßig auf dem Innenhof illegal abgelegter Sperrmüll und der daraus resultierende ungepflegte Gesamteindruck prägen das Bild des Quartiers erheblich.

Ein vergleichsweise hoher Anteil von Migranten mit ganz unterschiedlichem kulturellen Hintergrund und diver­gierenden Lebensgewohnheiten sowie Sprachbarrieren zwischen den Bewohnern führen zu Konflikten in der Nachbarschaft. Diese Faktoren sorgen für ein insgesamt negatives Image des Standortes.

Um diese Entwicklung zu stoppen und das Albert-Schweitzer-Quartier zu stabilisieren und attraktiver zu machen, wurde ein Integriertes Entwicklungskonzept (IEK) für das Wohngebiet erarbeitet. Daraus abgeleitet werden die Stadt und die HWB im Zeitraum von 2018 bis 2023 folgende Maßnahmen durchführen:

1. Umgestaltung des Innenhofes zu einer autofreien Grün- und Freizeitfläche

Der von den Wohnblöcken Albert-Schweitzer-Straße 3-5 gebildete Hof wird zu einem Ort des nachbarschaftlichen Miteinanders umgebaut. Der überwiegend befestigte und als Parkplatz genutzte Hof wird entsiegelt und zu einer autofreien Grün- und Freizeitfläche mit Outdoormöbeln, Hochbeeten zum gemeinschaftlichen Gärtnern und Spielgelegenheit für Klein und Groß umgestaltet. Zur Straße hin wird der Hof durch eine Zone für die Müll- und Wertstoffcontainer sowie für Fahrradstellplätze und überdachte Unterstellmöglichkeiten mit Lademöglichkeiten für E-Bikes begrenzt. In diesem Bereich ist auch eine Fläche für die Zwischenlagerung von Sperrmüll geplant. Die HWB hofft, damit eines der Dauerprobleme des Quartiers – die illegale Sperrmüllablagerung – lösen zu können.

Realisierungszeitraum: voraussichtlich ab Frühjahr 2020 (nach Fertigstellung des Parkdecks)

2. Um- und Neugestaltung des Wohnumfeldes

Die südlich und südöstlich an die Wohnblöcke Albert-Schweitzer-Straße 3-5 angrenzenden Freiflächen liegen gegenwärtig teilweise brach. Sie sollen für die wachsende Bewohnerschaft des Quartiers nutzbar gemacht werden und eine Verbindung zwischen dem „alten“ Albert-Schweitzer-Quartier und den Neubauten herstellen. Robuste und wartungsarme Outdoormöbel und Spielgeräte, neue Wege- und Platzflächen sowie eine höhengestaffelte Bepflanzung aus bodendeckenden Gehölzen, Stauden und Gräsern, Solitärsträuchern und Laub- und Obstbäumen schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität für alle Altersgruppen. Vorhandene Trampelpfade werden in das Wegenetz integriert. Durch das gesamte Quartier zieht sich ein Grüngürtel aus heimischen Pflanzen, der zur Steigerung der Biodiversität beitragen wird. In diesen grünen Pflanzengürtel eingebettet gibt es Spielflächen mit Angeboten für alle Altersgruppen, Aufenthalts- und Rasenflächen zur freien Nutzung, Flächen für Urban Gardening, einen Bouleplatz, Wäschetrockenplätze und Sitzecken. Die bereits im Quartier vorhandenen Spielgeräte werden durch weitere Anlagen zum Balancieren, Klettern, Hangeln, Rutschen und Schaukeln ergänzt. Der Fokus liegt dabei auf gemeinschaftlich nutzbaren Spielgeräten. Der vorhandene Bolzplatz wird abgebaut und an einer besser geeigneten Stelle als Multisportfeld mit Toren, einem Streetballkorb und lärmminderndem Kunststoffbelag neu errichtet. Ein Kletterfelsen aus Spritzbeton sowie Fitnessgeräte sollen das Angebot zur sportlichen Betätigung komplettieren.

Realisierungszeitraum: 03/2020 bis 02/2023

3. Umbau und Erweiterung des Nachbarschaftstreffs

Der von Anwohnern und der gemeinnützige Projekt- und soziale Regionalentwicklungsgesellschaft mbH (PuR gGmbH) 2006 gegründete interkulturelle Nachbarschaftstreff in der Albert-Schweitzer-Straße 4 ist ein Ort, an dem Bewohner des Quartiers miteinander statt übereinander reden, an dem Menschen unterschiedlicher Nationalität und Religion zusammen kochen und essen. Der Nachbarschaftstreff ist ein Ort, der Integration unterstützt und ein friedliches, nachbarschaftliches Miteinander befördert. Um den Nachbarschaftstreff noch attraktiver und einladender zu gestalten und um mehr Raum für Begegnung sowie für Beratungs-, Bildungs- und Freizeitangebote zu schaffen, hat die HWB die für den Treff zur Verfügung gestellte 3-Raum-Wohnung modernisiert und von 69 auf 139 Quadratmeter erweitert. Im Außenbereich ist eine große Terrasse für Aktivitäten unter freiem Himmel entstanden. Für Menschen mit Handicap wurde ein barrierefreier Zugang zur Terrasse und zum Nachbarschaftstreff geschaffen.

Realisierungszeitraum: 11/2018 bis 09/2019

4. Verankerung einer Integrationsmanagerin

Wie die Erfahrungen der sozialen Quartiersentwicklung zeigen, sind die Bewohner selbst wichtige Akteure für eine positive Veränderung der Lebensbedingungen. Seit Oktober 2018 ist daher eine Integrationsmanagerin im Wohngebiet aktiv. Ihre Aufgabe ist es, mit niedrigschwelligen Angeboten und Projekten das nachbarschaftliche Miteinander zu stärken und die Integration der Bewohner in die Nachbarschaft und die Gesellschaft zu unterstützen. Daneben wird die Integrationsmanagerin die Unterstützungs-, Beratungs- und Bildungsangebote des Nachbarschaftstreffs ausbauen, qualifizieren und mit bestehenden Angeboten von lokalen sozialen Trägern und Bildungseinrichtungen vernetzen. Das Integrationsmanagement liegt in den Händen der PuR gGmbH.

Realisierungszeitraum: ab 10/2018

5. Wohnungsbau im Albert-Schweitzer-Quartier

Das Albert-Schweitzer-Quartier wird durch eine Blockrandbebauung mit drei Mehrfamilienhäusern an der Fabrikstraße, August-Conrad-Straße und Berliner Straße ergänzt. Durch die Schließung der Baulücken werden städtebauliche Leerstellen gefüllt und das Quartier geschlossen. Insgesamt entstehen 114 Zwei- bis Fünf-Raum-Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von knapp 6800 Quadratmetern. Die Wohnungen haben eine Größe von 43 bis 105 Quadratmetern. Alle Wohnungen sind barrierefrei nach DIN 18040-2 und verfügen über einen Balkon oder eine Terrasse. Die entstehenden Hofflächen der Gebäude werden weitestgehend von Pkw-Stellplätzen freigehalten und als Grün- und Spielflächen gestaltet. Die entsprechend der Stellplatzsatzung erforderlichen Pkw-Stellplätze werden in einer Tiefgarage unter dem Neubau an der Fabrikstraße und einem zentralen Parkdeck an der Albert-Schweitzer-Straße bereitgestellt.

Das Neubauprojekt in Zahlen
  • Fabrikstraße: 42 Wohnungen und 49 Pkw-Tiefgaragenstellplätze
  • August-Conrad-Straße: 22 Wohnungen
  • Berliner Straße: 50 Wohnungen
Mietkosten (Nettokaltmiete)
  • 43 Wohnungen: 5,50 €/m² (Wohnberechtigungsschein)
  • 43 Wohnungen: 7,00 €/m² (Wohnberechtigungsschein mit Überschreitung der Einkommensgrenze bis maximal 40 Prozent)
  • 28 Wohnungen: zirka 9,50 €/m² (ohne Belegungsbindung)

Realisierungszeitraum: 05/2019 bis 12/2021

6. Neuorganisation des ruhenden Verkehrs – Bau eines Parkdecks

Als Ersatz für die im Innenhof der Wohnblöcke Albert-Schweitzer-Straße 3-5 wegfallenden Pkw-Stellplätze errichtet die HWB auf dem östlich der Wohnblöcke gelegenen Parkplatz ein zweigeschossiges Parkdeck mit insgesamt 97 Stellplätzen. Das Parkdeck ist so konzipiert, dass es künftig auch als „Basisstation“ für die individuelle Elektromobilität oder für Miet- oder Sharing-Angebote genutzt werden kann.

Realisierungszeitraum: 05/2019 bis 10/2020

Kosten, Finanzierung und Fördermittel

Für die unter 1. bis 4. genannten Projekte und Bauvorhaben hat die HWB Gesamtkosten von knapp drei Millionen Euro veranschlagt. Davon werden 2.467.000 Euro mit Fördermitteln aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“* finanziert. Als Fördermittelempfänger steuert die Stadt Hennigsdorf einen Eigenanteil in Höhe von 274.400 Euro bei. Die verbleibenden rund 172.000 Euro tragen die HWB und die Stadt zu gleichen Teilen.

Für die unter 5. und 6. genannten Bauvorhaben hat die HWB Gesamtkosten von 24,3 Millionen Euro veranschlagt. Davon werden 14,7 Millionen Euro über ein zinsloses Förderdarlehen der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) und einen Förderzuschuss in Höhe von 2,4 Millionen Euro finanziert. Dazu kommen ergänzende Finanzierungsmittel in Höhe von 3,4 Millionen Euro sowie Eigenmittel (inklusive Grundstücke) in Höhe von 3,8 Millionen Euro.

*Der 2017 aufgelegte Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ wird von Bund (75 Prozent), Ländern (15 Prozent) und Kommunen (10 Prozent) finanziert.

Das Albert-Schweitzer-Quartier wird durch die Fabrikstraße, die August-Conrad-Stra­ße, die Berliner Straße und die namensgebende Albert-Schweitzer-Stra­ße be­grenzt und durch vier Wohnblöcke optisch dominiert. In den noch zu DDR-Zeiten geplanten und 1990 fertiggestellten Plattenbauten mit 170 Wohnungen leben heute etwa 800 Menschen.

Drei der Blöcke sind u-förmig angeordnet und bilden einen zur Albert-Schweitzer-Straße offenen Innenhof. Dieser Hof ist weitgehend versiegelt und wird zum Abstellen von Pkw genutzt. Südlich und südöstlich des Gebäudekomplexes schließen sich Grün- und Spielflächen mit nur geringer Aufenthaltsqualität sowie ein Bolzplatz an.

Das von vier Straßen eingegrenzte Albert-Schweitzer-Quartier ist insgesamt durch eine fragmentarische Bebauungsstruktur und Brachflächen gekennzeichnet. Es macht einen unfertigen Eindruck. Aufgrund der ungenutzten Grundstücke und der Zentrumsnähe bietet das Gebiet erhebliches Potenzial für den Wohnungsbau.