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Selbst ist die Frau

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Trotz ihrer schweren Behinderung führt Edelgard Abraham im Seniorenwohnhaus Rigaer Straße ein selbständiges Leben

Mit ihren 59 Jahren ist Frau Abraham wesentlich jünger als die meisten ihrer Nachbarn im Seniorenwohnhaus Rigaer Straße. „Das ist nicht immer einfach“, sagt sie. Die Entscheidung, in das Haus zu ziehen, ist ihr auch nicht leicht gefallen. Hier aber fand sie gute Voraussetzungen für ein weitestgehend selbständiges Leben: Rampen, automatische Türen und ein Aufzug erlauben es der Rollstuhlfahrerin, sich ohne fremde Hilfe im ganzen Haus zu bewegen. Frau Abraham ist seit mehreren Jahren schwer behindert und auf einen Rollstuhl angewiesen. Nur aus der eigenen Zwei-Zimmer-Wohnung hat sie den Rollstuhl
verbannt.

In den vier Jahren, die Frau Abraham jetzt in der Rigaer Straße lebt, hat sie sich mit dem Haus arrangiert. „Meine kleine Wohnung liebe ich“, sagt sie. Sie legt Wert darauf, in einem normalen Haus mit normalen Wohnungen und nicht in einem Pflegeheim zu leben. Für das organisierte Gemeinschaftsleben, gesteht sie, „fühle ich mich aber noch zu jung. Da muss ich erst noch zehn Jahre älter werden.“ Im Haus seien die Veranstaltungen im Gemeinschaftsraum aber sehr beliebt. „Viel Anklang findet auch unsere Hausbetreuerin Frau Ninow“, erzählt Frau Abraham, und auf Hauswart Große sei immer Verlass. „Ich kann hier mein selbständiges Leben führen“, sagt sie. An Grenzen stößt sie, wo nur an den Bedürfnisse „normaler“ Menschen gedacht wird.

Manchmal fühle sie sich „wie am Arsch der Welt“ und würde die Ruhe der Rigaer Straße gern gegen ein bisschen Abwechslung eintauschen. Ein Stadtbus direkt vor der Haustür, um Abends ins Kino fahren zu können, wäre ideal. Der Weg bis zur Bushaltestelle an der Marwitzer Straße ist nicht nur ihr zu weit. Für alte und behinderte Menschen werden die kleinen Unannehmlichkeiten des Alltags schnell zur unüberwindbaren Hürde. Aus diesem Grund bekommt die neue Müllschleuse auch keine guten Noten von Frau Abraham. „Die meisten Mitbewohner im Haus beklagen den Verlust der Müllschächte“, sagt sie. Der Weg bis zur Müllschleuse hinter dem Haus sei zu weit, begründet sie ihre Kritik. Auch seien die Einfüllklappen für größere Dinge, wie die verblühten Pflanzen aus ihren Balkonkästen, einfach zu klein. „Bisher konnte ich mich um meinen Müll selber kümmern“, sagt sie, durch die Müllschleuse verliere sie ein Stück ihrer Selbständigkeit – die ihr so viel bedeutet.

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