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Quartier D: Mensch und Auto unter einem Dach

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Die HWB stellt ein erstes Konzept für die Hofverdichtung zur Diskussion

Mit ihrem ersten Bebauungsplan-Entwurf für den rund 5000 Quadratmeter großen Innenhof zwischen An der Wildbahn, Nauener, Hirsch- und Bergstraße verfolgt die HWB mehrere Ziele. Grundsätzlich gilt es die städtebaulichen Defizite des Areals zu beseitigen. Gleichzeitig soll die Schaffung bedarfsgerechter Wohnformen die Attraktivität des Quartiers steigern – vor allem für Familien. Die hier vorgestellten Beispiele versteht die HWB als Alternative zum Eigenheim im Wohnpark – für Menschen, die nicht auf die Vorteile des städtischen Umfeldes verzichten wollen. Um die engen Vorgaben des Rahmenplans für das Cohnsche Viertel einzuhalten, suchten die Architekten nach Wegen, die Stellplätze für die Autos der Bewohner im Haus zu integrieren.

Für Schwaben ist es das heilige Blechle. Andere sehen im Auto ein Statussymbol, für viele ist es aber lediglich ein unverzichtbarer Gebrauchsgegenstand. Ein Auto bedeutet Mobilität und damit Lebensqualität. Belastungen durch Abgase oder Lärm sind nur zwei Beispiele für die Kehrseite des Pkw-Verkehrs. Als die Stadtplaner in den 60er und 70er Jahren von der autogerechten Stadt träumten, schlugen sie breite Schneisen für vielspurige Trassen durch die Innenstädte. In der Realität erwiesen sich diese Pläne als unwirtliche urbane Alpträume, die der Städtebau heute mühsam zu reparieren versucht. In Folge des permanent wachsenden Motorisierungsgrades steigt auch der Bedarf an Pkw-Stellflächen in Innenstädten und Wohnquartieren. Durch seinen Flächenbedarf stört der ruhende Verkehr die Maßstäblichkeit neuer Quartiere. Straßen brauchen Parkspuren und Wendeplätze. Garagen oder Carports am Haus stehen meist in keinem Verhältnis zur Kubatur und Architektur des Gebäudes.

Autofreie Wohnquartiere als Alternative zu diesem Dilemma sind bisher die große Ausnahme, und noch fehlt es solchen Projekten auch an breiter Akzeptanz in der Bevölkerung. Welche Möglichkeiten gibt es aber, angenehmes Wohnen und das eigene Auto unter einen Hut zu bringen?

Diese Frage bewegt auch die HWB bei ihren Überlegungen zur behutsamen Verdichtung des Innenhofes im Quartier D des Cohnschen Viertels. Enge Grenzen setzt dabei der von den Stadtverordneten Mitte letzten Jahres verabschiedete Rahmenplan für die Entwicklung des Wohngebiets.

Um den Charakter des Quartiers zu bewahren und eine unnötige Lärmbelästigung der Anwohner zu vermeiden, schließt der Rahmenplan die Anlage von Stellplätzen im Hofbereich aus. Die Ausweisung von Pkw-Stellplätzen an den umliegenden öffentlichen Straßen ist aber auch nicht möglich, da hier die Kapazitäten bereits durch die Anwohner ausgeschöpft sind. Der Bau einer Tiefgarage mit den erforderlichen 50 bis 60 Stellplätzen scheidet wegen der hohen Baukosten als Alternative ebenso aus.

Einen ersten möglichen Lösungsansatz für das Stellplatz-Problem präsentierte jetzt das von der HWB beauftragte Architekturbüro Schwarz, Kuntze + Partner aus Altlandsberg. Inspiriert von holländischen Reihenhaussiedlungen lassen die Architekten auf ihren Zeichnungen die Autos der Bewohner direkt in den Häusern verschwinden: zu ebener Erde oder ein halbes Geschoss darunter. Durch das Absenken der Garagen um lediglich 1,25 Meter unter Normalniveau benötigen die Autos nur eine relativ kurze Rampe zur Einfahrt in die „Tiefgarage“. Damit reduziert sich der Flächenbedarf für die verkehrsmäßige Erschließung der Hofbebauung. Darüber hinaus gestattet diese Garagenvariante eine für Deutschland zwar untypische aber darum nicht weniger interessante Split-Level- Gliederung der Wohnungen.

Üblicherweise hat ein Reihenhaus von der Stange hierzulande zwei oder drei übereinander gestapelte Geschosse. Bei einem Split-Level-Haus sind die Wohnebenen hingegen jeweils um ein halbes Geschoss gegeneinander versetzt. Dieses Prinzip der versetzten Ebenen findet sich bei allen vier Entwürfen, sowohl bei den Mehrfamilienhäusern als auch bei den Reihenhaus-Scheiben.

Bei der Wahl der Dachform entschieden sich die Architekten bewusst für Flachdächer – als optischen Gegensatz zu den Walm- und Satteldächern der umliegenden Wohnhäuser. Die gewählte Dachform erlaubt aber nicht nur eine deutliche Unterscheidung der verschiedenen Bauepochen des Cohnschen Viertels, sie bietet den Bewohnern zusätzlich das Privileg einer sonnigen Dachterrasse.

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