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Organisierter Ruhestand

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Seit sechs Jahren engagiert Harald Politz sich im Seniorenbeirat für die Interessen der Hennigsdorfer Ruheständler. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht

Wie viele seiner einstigen Kollegen war auch Harald Politz, der Vorsitzende des Hennigsdorfer Seniorenbeirates, Anfang April ein letztes Mal an seinen alten Arbeitsort gepilgert. Zahlreiche Hennigsdorfer und ehemalige Stahlwerker hatten sich am Rande des alten Walzwerkes versammelt, um die Sprengung von sechs Schornsteinen, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen des 1992 still gelegten Walzwerkes, zu beobachten. So manch eine Träne sei verdrückt worden, als die Schornsteine fielen, erzählt Harald Politz. Ihm selbst sei das Spektakel nicht so nahe gegangen, obwohl auch er den größten Teil seines Berufslebens im Walzwerk gearbeitet hat. Seine heutige Aufgabe als Vorsitzender des Seniorenbeirates und Mitglied des Seniorenbeirates des Landkreises lässt dem agilen Rentner keinen Raum für wehmütige Rückschau.

Als er mit 60 in den Vorruhestand geschickt wurde, erzählt der heute 69-Jährige, habe er sich einen Garten gesucht. Rasen mähen, Unkraut jäten, Umgraben und zwischendurch Kreuzworträtsel lösen füllten ihn aber nicht aus. Er wurde Mitglied im Traditionsverein der Stahlwerker und dessen stellvertretender Vorsitzender. In dieser Funktion sitzt Harald Politz seit 2003 im Seniorenbeirat der Stadt, Anfang 2004 wählten die Beiratsmitglieder ihn zum Vorsitzenden.

Der Seniorenbeirat repräsentiert zirka 2000 in 14 Vereinen organisierten Hennigsdorfer Senioren - ist quasi deren Sprachrohr und Lobbyorganisation auf der politischen Bühne und im Rathaus von Hennigsdorf. Und dieses Sprachrohr verschafft sich Gehör und mischt sich ein. „Alle Beiratsmitglieder haben Rederecht in der Stadtverordnetenversammlung", erklärt Harald Politz. „Wir können Vorschläge machen aber auch meckern, wenn uns etwas nicht passt". So hat der Seniorenbeirat sich beispielsweise für einen Aufzug zum Bahnsteig der Regionalzüge im Bahnhof stark gemacht. „Jetzt gibt es ihn", sagt Harald Politz. Auch die Themen altengerechtes Wohnen und Wohnungsanpassung standen bereits auf der Tagesordnung. In diesem Punkt lobt Harald Politz die gute Zusammenarbeit mit der HWB. Die in jüngster Vergangenheit an einer Reihe von Häusern nachgerüsteten Aufzüge seien ein großer Fortschritt.

Harald Politz will aber nicht nur für die organisierten Senioren sprechen. Er möchte auch die 7000 nicht organisierten für die Vereinsarbeit gewinnen. „Mitmachen ist alles, nie­mand muss zu Hause versauern", lautet sein Credo. Ihn ärgert es, wenn jemand immer nur meckert, sich aber nicht rührt. „Viele Senioren sind aktiv bis zum Umfallen", sagt Harald Politz, auf der anderen Seite fehle es aber an Nachwuchs. Harald Politz wünscht sich ein größeres Engagement der „nachwachsenden" Senioren.

Für ein paar Stunden zieht es Harald Politz täglich in sein Büro im Rathaus. Zu organisieren und vorbereiten gibt es immer etwas. Einmal im Monat trifft sich der gesamte Seniorenbeirat. Höhepunkte der Arbeit sind die jährliche Seniorenwoche und vereinsübergreifende Turniere im Kegeln, Rommé und Skat.

Auf die Frage, ob er nach sechs Jahren im Seniorenbeirat nicht auch schon mal ans Aufhören denke, bekommt man eine klare Antwort: „Mir macht die Arbeit Spaß."

„Meine Stärke ist das Organisieren", sagt Harald Politz über sich selbst. Ein politischer Redner sei er nicht, eher ein Mann, der klare Worte und schnelle Entscheidungen bevorzugt - darauf kam es in seinem Berufsleben immer an. „Wenn die Walzstraße still stand, kostete das 25 000 Ost-Mark pro Stunde", erzählt er. Da konnten keine langen Grundsatzdebatten geführt werden. Seinen Sinn für Pragmatismus hat Harald Politz sich bis heute bewahrt: Das Ergebnis zählt.

Büro des Seniorenbeirates der Stadt Hennigsdorf im Rathaus:

Raum 011 | (03302)877252

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