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Leben im Zeitraffer

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Jugendliche beobachten mit Videokamera und Fotoapparat den Wandel im Cohnschen Viertel

Baulärm und Dreck verändern das Zeitgefühl. Die zurückliegenden anderthalb Jahre mögen vielen Bewohnern des Cohnschen Viertels wie eine Ewigkeit vorgekommen sein. Einige Jugendliche aus dem Kiez sagen das Gegenteil: Bei ihnen dauert die Ewigkeit ganze elf Minuten. So lang ist ihr Videofilm über den Wandel des Cohnschen Viertels.

Gemeinsam mit den Sozialarbeitern Kirsten Brenneke und Ilja Stühler vom Jugendclub Konradsberg waren sie fast ein Jahr lang im Wohngebiet unterwegs. Mit Videokamera und Fotoapparat ausgerüstet, befragten sie Mieter, hielten deren Stimmen und Stimmung fest und beobachteten den Wandel im Quartier.

„Insgesamt haben wir etwa acht Stunden Videomaterial gedreht“, erzählt Nico Westphal, er war von Anfang an bei dem Projekt dabei. Aus dem Material entstand am Computer der Film „Ein Kiez erwacht“. Kein chronologischer Dokumentarfilm, eher ein Videoclip à la MTV: Interviewsequenzen, Szenen mit Bewohnern und von den Bauarbeiten in schneller Folge montiert und mit Musik unterlegt.

Die Idee zu dem Projekt „Kiezkamera“ entstand im Jugendfreizeitheim. „Die HWB hat uns die notwendige Foto- und Videoausrüstung gesponsert“, sagt Sozialarbeiterin Kirsten Brennecke. Mehr als die Idee gab es zu Anfang aber nicht. „Wir sind wild drauf los“, erzählt der 19 jährige Musiker Lucas Blochel, ohne Plot und Drehbuch. „Und von der Technik hatten wir auch keine Ahnung.“ Bei der Arbeit haben sich dann so nach und nach die einzelnen Interessen herauskristallisiert. Die Jugendlichen haben sich mit den Geheimnissen der digitalen Aufnahme- und Schnitttechnik vertraut gemacht oder sich in der Dunkelkammer an die Entwicklung der eigenen Fotos gewagt.

Bei ihren regelmäßigen Streifzügen durch den Kiez haben sie ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. „Die einen fanden es cool, mal zu sagen, was sie denken“, erzählt Nico, „andere haben sich nicht getraut oder wollten nicht“. Den Jugendlichen ging es nicht darum, sich eine vorgefasste Meinung bestätigen zu lassen oder gar einen Werbefilm für die HWB zu drehen. Objektivität lautete ihr Credo. Sie haben sich verschiedene Meinungen angehört und alle Seiten zu Wort kommen lassen: den HWB-Geschäftsführer wie auch unzufriedene Mieter.

„Zu Anfang wurde viel gemeckert“, erzählen die Jugendlichen. „Überall wurde saniert, es war laut und dreckig“, sagt Kirsten Brenneke, wie die Jugendlichen hat sie das Baugeschehen als „Betroffene“ hautnah miterlebt. „Wenn man was wollte oder es Probleme gab, musste man sich selber kümmern – das entspricht aber nicht der Mentalität vieler Bewohner.“ Mit den sichtbaren Veränderungen im Kiez habe sich aber auch das „Cohnsche Volk“ verändert.

Der berechtigte Stolz über ihren ersten Film habt bei Nico und Lucas „Lust auf mehr“ geweckt – eventuell auch beruflich. Ihr ursprüngliches Ziel – einen einstündigen Film über das Cohnsche Viertel – hat die Gruppe auch noch nicht zu den Akten gelegt. Aber eine Stunde Film sei doch etwas ganz anderes als ein Trailer von elf Minuten, gestehen sie. Ohne neues Konzept, ein richtiges Drehbuch und vor allem noch einige engagierte Mitstreiter lässt sich so ein Projekt nicht realisieren, darüber sind sie sich mit der Sozialarbeiterin einig.

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