www.wohnen-in-hennigsdorf.de

Jeder Einwurf zählt

Ihre Bewertung: Keine

HWB und AWU wollen gemeinsam „Zwickauer Müllschleuse“ einführen: weniger Müll, mehr Kostengerechtigkeit

In der November-Ausgabe 2002 berichtete das HWB-Journal über die geplante Installation der Müllschleuse „ProScale 2000“ in Nord. Unerwartete Schwierigkeiten des Herstellers und der Betreiberfirma haben die eng gesetzten Zeitpläne der HWB für die Einführung von „ProScale“ – als Voraussetzung für eine verbrauchsabhängige Abrechnung der Müllgebühren – durchkreuzt. Trotz des Rückschlags hält die HWB an ihrem Ziel fest: Mehr Gerechtigkeit bei der Betriebskostenabrechnung durch eine haushaltsbezogene Messung und Abrechnung des Restmülls in allen großen Wohnanlagen. Bewusste Abfalltrennung und Müllvermeidung soll sich für die Mieter lohnen. Nach einer neuen Lösung brauchte die HWB nicht lange zu suchen. In der AWU Oranienburg GmbH fand sie einen kompetenten Partner für das Projekt. Wohl kaum ein Hennigsdorfer, der das Entsorgungsunternehmen mit Sitz in der Nachbargemeinde Velten nicht kennt. Fast täglich drehen die blauen AWU-Müllfahrzeuge ihre Runden durch die Stadt und entleeren Müllcontainer oder sammeln Sperrmüll ein. Die Tochtergesellschaft der Berliner ALBA-Gruppe ist für die Müllabfuhr im gesamten Landkreis Oberhavel zuständig.

„Mit dem Thema Müllschleuse“, erklärt Sabine Kostorz, Leiterin des Bereiches kommunale Dienstleistungen der AWU in Velten, „beschäftigen wir uns schon seit zirka zwei Jahren“. Bei der Suche nach der besten Lösung – sowohl für den Nutzer als auch für das Entsorgungsunternehmen – kann die AWU auf Erfahrungen anderer Tochtergesellschaften der ALBA-Gruppe zurückgreifen. So setzt die Havelländische Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH (HAW) seit Dezember 2001 an rund 160 Standorten in Nauen und Werder die „Zwickauer Müllschleuse“ ein.

Dieses von der Zwickauer Werkzeug- und Sondermaschinenbau GmbH (WESOMA) entwickelte System hat sich bereits tausendfach in der Praxis bewährt. Daher bietet jetzt auch die AWU ihren Kunden aus der Wohnungswirtschaft die „Zwickauer Müllschleuse“ zur Nutzung an.

Interessenten können das komplette System, die Müllschleuse einschließlich der Datenerfassung und -auswertung von dem Entsorger mieten. Die Anmietung hat den Vorteil, dass für die Wohnungsunternehmen keine Investitionskosten anfallen. Die monatlichen Mietkosten für die Müllschleuse werden auf die Betriebskostenabrechnung aller angeschlossenen Haushalte umgelegt.

Diese Mehrkosten zahlen sich für die Mieter aber aus: Durch eine deutliche Reduzierung der Restmüllmenge und damit einer Senkung der Mengengebühr werden die Zusatzkosten für die Müllschleuse mehr als kompensiert.
Die Erfahrungen zeigen, dass bei konsequenter Abfallsortierung nur noch 20 bis 25 Prozent des sonst üblichen Mülls in der grauen Tonne landen. Unterm Strich bringt die „Zwickauer Müllschleuse“ den Mietern je nach Standort und Grad der Mülltrennung finanzielle Vorteile von 20 bis 40 Prozent gegenüber der herkömmlichen Mülltonne. Wer seinen gesamten im Haushalt anfallenden Abfall weiter unsortiert entsorgt, wird in Zukunft erheblich mehr zahlen müssen. Die HWB ist die erste Wohnungsbaugesellschaft, die das neue Angebot der AWU nutzen wird: in Hennigsdorf Nord und an einigen weiteren HWB-Standorten wird das Veltener Entsorgungsunternehmen in den nächsten Monaten „Zwickauer Müllschleusen“ installieren. „Mitte Mai wollen wir die ersten Schleusen aufstellen“, erklärt Sabine Kostorz.

Das Funktionsprinzip der „Zwickauer Müllschleuse“ ist denkbar einfach: Der bisher genutzte Container steht in einer Einhausung und lässt sich nur über eine elektromagnetisch verriegelte Schleusenkammer befüllen. Anders als bei dem in der letzten Ausgabe vorgestellten System „ProScale 2000“ wiegt die „Zwickauer Müllschleuse“ aber nicht den Müll, sondern zählt die eingeworfenen Müllbeutel. Die maximale Größe der Müllbeutel ist durch das Volumen der Schleusenkammer (5, 10, 15 oder 20 Liter) vorgegeben.

Egal ob halbleer oder voll, jeder Wurf zählt und wird auf dem Müllkonto des Mieters verbucht. Daher ist es ratsam, jeden Müllbeutel entsprechend der Größe der Schleusenkammer zu befüllen und auch keinen Sperrmüll – soweit er überhaupt in die Kammer passt – über die Müllschleuse zu entsorgen. Sperriger Müll, ob alter Teppich oder kaputter Stuhl, gehört prinzipiell nicht in den grauen Container. Zum Öffnen der Müllschleuse erhält jeder Haushalt von der AWU eine so genannte Transponderkarte. Auf dieser ist seine Kundennummer gespeichert.
Für die Karte ist eine Kaution von zirka 25 Euro zu hinterlegen.

Bei jedem Mülleinwurf wird die Kundennummer mit Datum und Uhrzeit in der Müllschleuse gespeichert. Per Funk werden diese Informationen regelmäßig zu einem Rechner der AWU übertragen. Auf Basis dieser Daten kann die HWB dann eine verbrauchsabhängige Müllkostenabrechnung erstellen und jeder Haushalt zahlt letztlich nur seinen Müll.

Die Müllschleusen der AWU arbeiten im Duo-Betrieb. Das heißt, an jedem Müllplatz werden jeweils zwei Schleusen nebeneinander aufgestellt. Diese sind vernetzt. Immer nur eine der beiden Schleusen lässt sich mit der Transponderkarte öffnen und mit Müll befüllen. Ist ein Müllcontainer voll, wird er gesperrt und der andere Container zur Benutzung frei gegeben. Per Funk sendet die Müllschleuse Informationen zum Füllstand der Container an die AWU. Dies hat den Vorteil, dass die Müllfahrer nur bei Bedarf den entsprechenden Müllplatz anfahren müssen und so nur volle Container entleert werden. Das senkt die Kosten für die Mieter und für die AWU. Denn auf Grundlage der Funkmeldungen kann der Rechner einen optimalen Tourenplan für die Müllfahrzeuge zusammen stellen.

Ein weiteres Plus der „Zwickauer Müllschleuse“ ist ihre Unabhängigkeit vom Stromnetz. Ein Akku, der permanent über Solarstrom geladen wird, versorgt die gesamte Steuerelektronik der Müllschleuse mit Strom. So müssen keine Kabelgräben geschippt werden und sind keine Installationsarbeiten notwendig. Bei Bedarf lässt sich der Standort der Müllschleusen ohne großen Aufwand wechseln. Die Kapazität der Solarmodule ist so konzipiert, dass sie selbst an trüben Wintertagen genügend Solarstrom liefern. Und selbst wenn sie mal unter einer Schneedecke verschwinden sollten, reicht der Akku-Strom noch für einen mehrwöchigen Betrieb der Müllschleuse aus.

Tatort Mülltonne

Ein in Euro und Cent deutlich messbarer Effekt der „Zwickauer Müllschleuse“ hängt wesentlich davon ab, ob sich alle Mieter an die „Spielregeln“ halten und ihren Müll vorschriftsmäßig in den dafür vorgesehenen Tonnen entsorgen. Wer seinen Müllbeutel neben den Containern abstellt oder in der gelben Wertstofftonne entsorgt, um so das eigene „Müllkonto“ zu schonen, handelt auf Kosten seiner Mitbewohner. Mit Müll verunreinigte Gelbe Tonnen werden nicht kostenlos abgefahren, sondern wie ein ganz normaler Müllcontainer in Rechnung gestellt. Da diese „Fehlwürfe“ keinem Mieter zugeordnet werden können, müssen alle Bewohner die Kosten für deren Entsorgung tragen. Zur Kontrolle der Müllplätze und der Gelben Tonnen wird die HWB voraussichtlich einen Mitarbeiter einstellen. Dieser „Müllpolizist“ soll die Müllschleusen regelmäßig kontrollieren und wenn notwendig, wild entsorgten Müll oder Verunreinigungen der Gelben Tonnen beseitigen – zu Lasten aller Mieter.

 

So bedienen Sie die „Zwickauer Müllschleuse“

  1. Die Stromversorgung der Müllschleuse per Tastendruck aktivieren. Ist der Container voll, meldet das Display „FULL“. Sie müssen die andere Müllschleuse benutzen. Zuerst ist hier auch die Stromversorgung zu aktivieren.
  2. Vor Benutzung der Müllschleuse müssen Sie sich mit Ihrer Transponderkarte an der Müllschleuse identifizieren und anmelden. Dazu halten Sie die Karte an das blau-weiß markierte Lesefeld unterhalb des Displays. Die auf der Karte gespeicherte Nummer wird gelesen. Nach positiver Prüfung zeigt das Display „AUF“ an.
  3. Erst wenn Sie die Schleusenkammer tatsächlich öffnen, werden Ihre Nutzungsdaten (Kundennummer, Datum, Uhrzeit) in der Müllschleuse gespeichert.
  4. Legen Sie den Müllbeutel in die Kammer und schließen Sie die Müllschleuse. Wollen Sie mehrere Müllbeutel entsorgen und passen diese nicht zusammen in die Kammer, müssen Sie die einzelnen Schritte wiederholen.
Loggen oder registrieren um einen Inhalt zu taggen