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Geehrt, aber nicht erwünscht

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Die Situation hat etwas schizophrenes. Vor wenigen Tagen hat die Stadt Hennigsdorf den Asylbewerber Atiqullah Isaqzai für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Gemeinwesenpreis 2007 geehrt. Auf der anderen Seite würde Deutschland den Preisträger am liebsten wieder in sein Heimatland Afghanistan, aus dem er mit seiner Familie vor den Taliban fliehen musste, zurück schicken. „Seit sieben Jahren läuft mein Asylverfahren“, erzählt der 44-jährige Ingenieur und ehemalige Offizier. Bis heute ist sein Asylstatus ungeklärt. Alle sechs Monate entscheidet die Ausländerbehörde von neuem
über die Verlängerung seiner Aufenthaltsgestattung.

Trotz dieser jahrelangen Ungewissheit und Unsicherheit hat sich Atiqullah Isaqzai nie damit begnügt, einfach nur abzuwarten. Schon kurz nachdem er Anfang 2001 mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Asylbewerberheim Stolpe-Süd angekommen war, hat er im Ausländerbeirat der Stadt mitgearbeitet. „Als Asylbewerber haben wir keine Rechte“, sagt Atiqullah Isaqzai, „das heißt aber nicht, dass man deshalb nichts machen kann. Ich wollte etwas für mich und die anderen tun.“ Sich für die Gemeinschaft zu engagieren, bedeutet für Atiqullah Isaqzai auch, dazuzugehören.

Aufgrund seines ungeklärten Asylstatus darf Herr Isaqzai nicht arbeiten. Den ganzen Tag zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen, ist seine Sache aber nicht. Drei Sprachkurse hat er in den letzten Jahren besucht, um sein Deutsch zu verbessern. In Potsdam hat er sich zum „interkulturellen Mediator im Gesundheitsbereich“ qualifiziert, um Ausländer über deren Rechte bei der medizinischen Versorgung beraten zu können. Bei Projektwochen in Schulen
hat er mit russlanddeutschen Jugendlichen über das Leben in einem fremden Land diskutiert.

Vor anderthalb Jahren hat er gemeinsam mit einigen Mitstreitern den interkulturellen Nachbarschaftstreff in der Albert-Schweitzer-Straße 4 ins Leben gerufen. Seitdem habe sich in dem Quartier einiges verändert. „Die Leute sprechen jetzt mehr miteinander“, sagt Herr Isaqzai, die gegenseitigen Vorurteile seien etwas weniger geworden.

Wenn der inzwischen fünffache Vater über seine und die Situation seiner Familie in Hennigsdorf spricht, klingt, trotz aller Unsicherheiten und behördlichen Einschränkungen, nie Bitternis durch. „Ich bin Optimist“, lacht Atiqullah Isaqzai, in Afghanistan habe er gelernt, mit Schwierigkeit zu leben. „Ich bin glücklich, dass meine Kinder hier zur Schule gehen können.“ In Afghanistan wäre dies unmöglich. Sein ältester Sohn besucht die gymnasiale Oberstufe am Oberstufenzentrum und die älteste Tochter geht aufs Gymnasium, erzählt er nicht ohne Stolz. „Das ist ihre Zukunft“ , sagt Atiqullah Isaqzai, schon deshalb seien für ihn die Jahre des Wartens eine verschenkte Zeit.

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