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Die Rechnung trügt

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Contracting macht die warme Wohnung unterm Strich nicht teurer

Nennen wir sie einfach Frau Schwarz und Herr Weiß. Frau Schwarz wohnt in der Aktivistensiedlung und Herr Weiß in der Marwitzer Straße. Beide sind Mieter der HWB, ihre Wohnungen sind etwa gleich groß und wurden vor einigen Jahren umfassend saniert und an das Fernwärme-Netz der Stadtwerke angeschlossen.

Bei ihren regelmäßigen Kaffeekränzchen sparen Frau Schwarz und Herr Weiß selbst das Thema Heizkostenabrechnung nicht aus. Beim Vergleich ihrer Abrechnungen stellen sie fest, das die für Frau Schwarz deutlich höher ausgefallen ist. Dabei heizt sie nicht mehr als Herr Weiß. Hat hier jemand eine fehlerhafte Abrechnung erhalten oder gibt es gar unterschiedliche Preise für die Fernwärme?

Weder das eine noch das andere ist der Fall. Alle Haushalte in Hennigsdorf bekommen die Wärme zu den gleichen Konditionen, versichert Stefan Dallorso von den Stadtwerken. Ursache für die Differenz ist die Tatsache, dass Herr Weiß seine Heizkostenabrechnung als Teil der jährlichen Betriebskostenabrechnung von der HWB bekommt, Frau Schwarz aber eine separate Abrechnung direkt von den Stadtwerken erhält. Sie hat wie alle HWB-Haushalte aus der Aktivistensiedlung und dem Cohnschen Viertel einen Vertrag mit den Stadtwerken über die Versorgung mit Fernwärme abgeschlossen. Dieses Verfahren nennt man Contracting.

Bei Herrn Weiß aus der Marwitzer Straße ist die HWB Vertragspartner der Stadtwerke. Das heißt, die Stadtwerke schicken ihre Rechnung für die Versorgung des Wohnblocks an die HWB und die legt die Kosten anteilig auf alle Mieter des Hauses um.

Beim Contracting übernehmen die Stadtwerke diese Aufgabe. Sie liefern die Wärme, messen und erfassen den Verbrauch der Mieter und schicken die Rechnung. Das begründet aber noch nicht die unterschiedlichen Rechnungsbeträge, denn Contracting ist mehr als ein direktes Vertragsverhältnis zwischen Mieter und Wärmelieferant. Die Stadtwerke haben bei diesem Verfahren auch die gesamte Heizungsanlage einschließlich der Heizkörper finanziert und sind für deren Wartung, anfallende Reparaturen und den Havariedienst zuständig.

Die Kosten für die Heizungsanlage legen die Stadtwerke auf ihre Kunden um (Grundpreis Wärmeverteilungsanlage). In der Aktivistensiedlung beträgt dieser Grundpreis knapp 50 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat.

In der Betriebskostenabrechnung der HWB ist diese Umlage nicht enthalten. Das heißt aber nicht, dass Frau Schwarz mehr für ihre warme Wohnung zahlen muss, weil sie einen Contracting-Vertrag unterschrieben hat. Bei Herrn Weiß sind die Kosten für die Heizungsanlage in der Netto-Kaltmiete als Modernisierungsumlage enthalten. Frau Schwarz zahlt diese Modernisierungsumlage nicht. Kaltmiete und warme Betriebskosten addiert, zahlen Frau Schwarz und Herr Weiß den gleichen Betrag für eine warme Wohnung – auch wenn die Heizkostenabrechnungen etwas anderes vermuten lassen.

 

Was hinter den einzelnen Rechnungspositionen steckt

Grundpreis (GP0): Darin sind alle fixen Kosten der Stadtwerke enthalten. Das sind zum Beispiel Kosten für Gebäude und Anlagen, Personalkosten, Steuern, Versicherungen oder Zinsen für laufende Kredite. Der Grundpreis richtet sich nach dem errechneten Wärmebedarf der angeschlossenen Wohnung.

Grundpreis der Wärmeverteilungsanlage (GPV): Darin sind alle Kosten für die Finanzierung, Errichtung, Wartung und Reparatur der Heizungsanlage (von der Hausanschlussstation bis zum letzten Heizkörper und Thermostat) enthalten.


Arbeitspreis (AP0)
: Darin sind alle Kosten für die Herstellung der Fernwärme enthalten. Das sind vor allem Brennstoffkosten, Strom-, Wasser- und Abwasserkosten für den laufenden Betrieb der Stadtwerke.


Messpreis: (MP0):
Darin sind alle Kosten für die Messung (Wärmemengenzähler), Erfassung und Auswertung der Verbrauchsdaten enthalten.

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